Werner Kirschbaum gehört zu den bedeutendsten Vertretern des experimentellen Avantgarde-Jazz. Mit vielbeachteten internationalen Konzerten, u. a. mit Günter Heinz, Lou Grassi, Roland Graeter etc., macht er immer wieder auf sich aufmerksam. W. K. sagt über sich selbst, daß er in seinen Klavier-Improvisationen nachhaltige Momente reflektiert. Dies wird zur Understatement-Aussage, hört man beispielsweise in seine CDs It´s piano und Piano ... more than.
Ob es sich um dramatische Passagen und nachhaltig prägende Ereignisse oder nur um pointierte Banalitäten und Begegnungen handelt, für Werner Kirschbaum ist das Klavier das Ausdrucksmittel leidenschaftlich zu erzählen - stilistisch kreiert er damit eine weitere Variante des Avantgarde-Jazz.
Bei der Zusammenstellung
meines jeweiligen Programms sind meine aktuellen Stimmungen und persönlichen Realitäten ganz entscheidend. Die 'Individuelle
Prägung' ist ein zentraler Begriff innerhalb meiner Musik. Parallel zur visionären Entstehung
meiner Stücke entwickelt sich die Musik. Was dann bleibt, ist lediglich das Konzept - die Komposition. Solange beim
Reproduzieren kein Konzert dem anderen gleicht, fühle ich mich musikalisch lebendig. Daher sind die Stücke immer wieder
stark abhängig von Ort, Zeit und Gemütszustand.
Wie It´s piano und Piano ... more than dokumentieren auch die anderen Einspielungen Werner Kirschbaums seine Vorlieben für Seltenes und Eigenständiges in der Musik. Bereits als Kind war er vom Tuba-Spiel seines Vaters so fasziniert, daß er selbst ein Instrument spielen wollte und schon früh Klavierunterricht erhielt. Mit zwölf Jahren spielte er alle Mozart- Sonaten. Sein brilliantes und virtuoses Klavierspiel zeugt von der soliden klassischen Ausbildung durch die Liszt-Urschülerin Eva-Maria Kaiser-Jühe, durch den argentinischen Pianisten und Komponisten Diego Feinstein und den Pianisten Rudolf Buchbinder.
Neben den konventionell gespielten Stücken im Stil des Freien Jazz gibt es im Repertoire Werner Kirschbaums zahlreiche andere Stücke, in denen er mit Techniken im Inneren des Klaviers - in Form von Schlagen, Zupfen und anderen Herausforderungen an die "Klangreserven des Instrumentes" - experimentiert. Ebenso fordern die am Computer selbst generierten Zuspielstücke, teilweise nach harmonischer, aber auch perkussiver Vorlage, die Fähigkeit des Pianisten musikalisch spontan auf verschiedenen Ebenen virtuos zu reagieren.
Der heute in Kassel und bei Köln lebende Pianist hat seit 1982 an der Kasseler Musikakademie eine Dozentur für Klavier, Jazz und Improvisation.